Klettern boomt! In den letzten 10 Jahren hat sich die Anzahl der Kletterer in Deutschland vervierfacht. Keine andere Sportart hat ähnliche Zuwachszahlen. Die Gründe dafür sind vielfältig. Zum einen ist Klettern eine ganz natürliche Art der Fortbewegung. Wer einmal mit Kindern Wandern war und eine Rast an einem Felsblock eingelegt hat, kennt das. Schon die ganz Kleinen tapsen an den Fels, legen ihre Händchen darauf und schauen nach oben, was von Erwachsenen in der Regel mit einem kurzen aber deutlichen „Nein!“ kommentiert wird. Später klettern Kinder auf Bäume und auf den meisten Spielplätzen befinden sich Klettergerüste. Der Drang nach oben ist und bleibt vorhanden.

Auch Erwachsene sind von der Höhe fasziniert. Warum sonst zieht es an jedem schönen Wochenende Scharen von Münchnern Richtung Alpen.

Beim Wandern stärkt man die Beine, die Ausdauer, das Herz-Kreislauf-System und die Lungenfunktion, trainiert nebenbei überflüssige Pfunde ab und fühlt sich am Gipfel einfach wohl in seiner verschwitzten Haut, weil das Glücksgefühl in der Regel größer ist, als die geleistete Anstrengung. Wer das schon mal erlebt hat, den zieht es immer wieder in die Berge.

Gegenüber dem Wandern kommen beim Klettern noch weitere gesundheitliche Aspekte hinzu. Zum Beispiel unterscheidet der Fels nicht zwischen Rechts- und Linkshändern, so dass jeder Kletterer zwangsläufig auch seine schwächere Seite trainiert. Kraft und Kondition steigen, was auch im Alltag spürbar wird. Viele Handgriffe erledigen Kletterer sozusagen „mit links“. Durch die erlernte Beidhändigkeit wird auch das Gehirn beidseitig gefordert und entsprechend gleichmäßig durchblutet, Was das Schlaganfallrisiko um etwa 80% reduziert. Auswirkungen des Kletterns auf Kopfschmerzen/Migräne werden derzeit untersucht.

Und natürlich sorgt Klettern auch für einen durchtrainierten Körper – vorausgesetzt man betreibt es regelmäßig. Im Gegensatz zu den meisten anderen Sportarten wird nahezu jeder Muskel gefordert. Besonders beansprucht ist hierbei die Rumpfmuskulatur. Positive Nebenwirkungen sind Waschbrettbauch und ein schmerzfreier Rücken.

Trotz vieler positiver Wirkungen ist und bleibt Klettern ein Risikosport, bei dem man genau wissen sollte, was man tut – oder lieber lässt. Kleinere Blessuren wie Schürfwunden oder blaue Flecken können da schon mal vorkommen. In der Häufigkeit folgen dann Überlastungserscheinungen (meist an den Fingern oder Ellenbogen) und schließlich – äußerst selten – Sturzverletzungen. Die moderne Kletterausrüstung ist mittlerweile so sicher, dass Materialversagen nahezu ausgeschlossen werden kann. Gerade beim Hallenklettern, wo keine alpinen Gefahren wie Steinschlag oder Wettersturz auftreten, ist der einzige Risikofaktor der Mensch selbst. Daher ist es enorm wichtig, das Klettern von einem kompetenten Trainer zu erlernen und sich mit dem Material und dessen Funktionsweise vertraut zu machen.

Letzte Änderung: 25.05.2018 - 09:05 Uhr